* DŽEVAD KARAHASAN liest aus seinem Erzählband "Ein Haus für die Müden" *
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Dževad Karahasan

1953 in Duvno/Jugoslawien geboren, Erzähler, Dramatiker und Essayist. Die Belagerung Sarajevos war Thema seines in zehn Sprachen übersetzten "Tagebuchs der Aussiedlung" (1993) und seiner beiden Romane "Schahrijârs Ring" (1997) und "Sara und Serafina" (2000). Für den Essayband "Das Buch der Gärten" wurde er 2004 mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung ausgezeichnet. Karahasan lebt in Graz und Sarajevo.
Ein Haus für die Müden - Fünf Geschichten

Aus dem Bosnischen von Katharina Wolf-Grießhaber
Sarajevo im September 1914. In einer Zeitungsredaktion, bei der Landesbank und an anderen offiziellen Stellen treffen Briefe mit großer Verspätung, oft erst nach Jahren ein. Doch es ist nicht der Krieg, der die kaiserlich-königliche Post durcheinander gebracht hat, sondern ein verliebter Briefträger, der kürzlich auf dem Schlachtfeld des beginnenden Weltkriegs gefallen ist.
Von Liebe und Verlust, Fortschritt und Erinnerung handeln die fünf großen Erzählungen, mit denen Dževad Karahasan aus dem fernen Epochenschauplatz seines Opus Magnum, Der Trost des Nachthimmels (»ein Jahrzehnte-Ereignis«, NZZ), ins 20. Jahrhundert zurückkehrt. Der Kommunismus erreicht die bosnische Provinz. In den kleinen Städten, umgeben von einsamen, majestätischen Landschaften, spüren Karahasans Helden, dass eine Zeit anbricht, in der sie keinen Platz mehr haben. Sie verweigern sich - radikale Alte, trotzige Weltverweigerer, die auf dem Recht bestehen zu träumen, zu trauern und einfach müde zu sein.
Briefe, die ihre Adressaten nicht erreichen, weil Tod und Weltgeschichte in eine Liebe hineinpfuschen, tauchen im Haus für die Müden immer wieder auf. Mit seinen weit ausschwingenden Sätzen und Reflexionen, dem hintergründigen Humor und den mystisch-phantastischen Elementen erzählt Karahasan vom Altwerden - dem Zurückbleiben in einer Welt, die sich schneller verändert, als der Einzelne sie erleben kann.
„[...] Die fünf klugen, melancholischen und komischen Erzählungen seines Bandes [...] umspannen ein ganzes Jahrhundert." Nicole Henneberg, Frankfurter Allgemeine Zeitung
„Ein meisterhafter Erzählband." Ilma Rakusa, Neue Zürcher Zeitung
„Der vorliegende Band ist ein schmerzhaft schönes Werk über das Altern, das man wohl kein Alterswerk nennen sollte, in der Hoffnung, dass da noch einige Texte nachkommen mögen." Ö1, Ex Libris
„Wunderbar behaglich lebt es sich in den poetischen Unterkünften, die Dževad Karahasan umsichtig in der Literaturlandschaft errichtet." Werner Krause, Kleine Zeitung
„[Karahasan] hilft auch seinen Leserinnen und Lesern [die Welt von heute zu verstehen -] mit intellektueller Neugier, erzählerischer Kraft und Weisheit." ORF