* Lesung mit PRECIOUS CHIEBONAM NNEBEDUM und FISTON MWANZA MUJILA *
Kalchberggasse 2 / Joanneumsviertel
8010 Graz
E-Mail: lb-veranstaltung@stmk.gv.at
Web: http://www.landesbibliothek.steiermark.at/
Do: 9.00-20.00 Uhr
Sommer- und Weihnachtsferien:
Mo-Fr: 9.00-13.00 Uhr
Precious Chiebonam Nnebedum

Precious Chiebonam Nnebedum wuchs in Nigeria und Österreich auf. Mit 17 Jahren stürmt sie die Grazer Poetry-Slam Bühnen, auf denen sie sich zur zweifachen österreichischen U20-Vizemeisterin slamt. Sie ist Co-Founderin von „Tanaka Graz", einer Initiative von und für junge PoC* (People of Colour), die sich für Empowerment, Community-Building und Vermittlung einsetzt. Gleichzeitig und vor allem aber ist „Tanaka" ein Safe-Space für alle, die unter Diskriminierung leiden. Ihre Musik und Texte greifen ineinander. Precious Chiebonam Nnebedums Rhythmen fließen in ihre literarischen Arbeiten, und umgekehrt. Mit ihrer Lyrik schreibt sie sich Wort für Wort an ihren Mut heran. Ihr Debüt „birthmarks" erscheint bei Haymon im Oktober 2022. Preisträgerin des Exil-Literaturpreises 2020.
Fiston Mwanza Mujila

Geboren 1981 in Lubumbashi (DR Kongo). Ab 2007 Studienaufenthalte in Belgien und Frankreich, 2009 erhielt er das Stipendium als Stadtschreiber in Graz, wo er seitdem (mit Unterbrechungen, u.a. für Recherchen) lebt. Zurzeit ist er für das Literaturprogramm des Grazer Forum Stadtpark verantwortlich. Neben seiner Tätigkeit als Autor und Performer (Zusammenarbeit mit Jazz-Musikern) ist er als Vermittler und Herausgeber der Literatur der afrikanischen Diaspora aktiv. Fiston Mwanza Mujila publiziert vorwiegend auf Französisch, sein Debütroman Tram 83 wurde mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Grand Prix of Literary Associations (2015), dem Internationalen Literaturpreis - Haus der Kulturen der Welt und dem Peter-Rosegger-Literaturpreis des Landes Steiermark (2018). Für seinen zweiten Roman La danse du Vilain erhielt der Autor 2021 den Prix Les Afriques.
birthmarks

Precious Chiebonam Nnebedum beweist: Sie ist die Kraft, mit der zu rechnen ist.
Wer sind wir, wenn uns die Worte fehlen? Wer, wenn wir sie kaum aufhalten können? Wenn wir in verschiedenen Sprachen leben, uns nicht nur aus ihnen bedienen wollen, sondern sie für uns selbst finden. Uns durch Sprache ermächtigen und gleichzeitig durch sie ermächtigt werden. Precious Chiebonam Nnebedums Gedichte sind eindringlich, schimmernd. Und sie begibt sich mit ihrer Lyrik auf eine Suche: Nach einer Antwort auf die Frage, was wir uns nehmen dürfen und müssen, was wir für uns fordern. Wie sehen unsere Richtungsweiser aus? Wem folgen wir, an welchen Kreuzungen biegen wir ab? Können wir diese Rolle selbst füllen? Ist es erträglich, wenn ausschließlich andere das für uns tun?
Vom Durchbrechen schalldichter Mauern, dem Zurückerobern von gestohlenem Selbstbewusstsein und dem Mut zu Sprechen
Das sind die Dinge, die den Alltag bestimmen, die aber nie ausgesprochen werden. Leerstellen, die ganze Welten füllen. Das sind die Barrieren zwischen dem alten Ich und dem neuen. Menschen, die auftauchen und doch nicht stattgefunden haben im eigenen Leben. Das Gefühl von Einsamkeit, das Nnebedum sich und anderen mit jedem Gedicht aus dem Kopf schreibt. Denn: Sie schafft damit einen sicheren Ort. Einen Raum, in dem die Sprache ihr gehört. Sie hinterfragt die eigene Resilienz und erobert Gebiete, deren Regent*innenschaft die ihre ist - auch wenn es wehtut. Hier tritt sie in die Mitte, erzählt ihre Geschichte. Hier wird ihre Sprache groß: befeuernd, tröstend, stark machend. Und nicht zuletzt fordert Precious Chiebonam Nnebedum an dieser Stelle - mit und in ihren Gedichten - was ihr zusteht.
„Nnebedums Gedichtband ist bildstark und kraftvoll in der Aufarbeitung einer persönlich-politischen Vergangenheit und der Konstruktion der Gegenwart. In melodisch-beobachtenden Worten erkundet ‚birthmarks' Formen von Liebe, Familie, dem Erinnern und dem Aufwachsen als Schwarze Frau in dieser Welt." Ọlaide Frank
Kasala für meinen Kaku

Anrufungen, Beschwörungen und Lobpreis (was „Kasala" auf Kiluba bedeutet), Geschichten und Gesichte einer Stimme, die alle Instrumente einer Jazz-Band aus sich heraus zu orchestrieren scheint: Mit prallen, bunten Bildern, ebenso heiteren wie bestürzenden Szenen und Motiven inszeniert Fiston Mwanza Mujila eine mitreißende Dichterrede, deren kolossale Übertreibung jegliches Pathos implodieren lässt und umso schwungvoller poetische Energie zu entfesseln vermag - als Gegenfeuer zum Falschen des Bestehenden. Aus unterschiedlichen lyrischen Traditionen anklingende Obertöne erzeugen die Atmosphäre einer hybriden Welt, die sich aus Versatzstücken aus verschiedenen globalen Räumen und Zeitschichten amalgamiert. Wo alles möglich, real und surreal zugleich erscheint, versucht sich ein waches und empathisches Bewusstsein zu verorten: in der Bezugnahme auf den Kaku (den Urgroßvater bzw. Ahnen) und eine lebendige, animistische Überlieferung bringen die Gedichte Fiston Mwanza Mujila mit ihren treibenden Rhythmen und poetischer Wucht gängige Begriffe und Vorstellungen (post) kolonialer Lebenswelt ins Wanken.
„Mit seinen Gedichten, Prosaarbeiten und Theaterstücken reagiert Mujila auf die politischen Turbulenzen, die der Unabhängigkeit des Kongo folgten, und deren Auswirkungen im täglichen Leben. Seine Texte bilden, wie es in einem seiner Gedichte heißt, eine „Geografie des Hungers" nach Frieden, Freiheit und Brot." lyrik-line